Bei der konstituierenden Sitzung der BVV Charlottenburg-Wilmersdorf hielt der Alterspräsident Hans Asbeck aus der AfD-Fraktion die Begrüßungsrede und übergab das Präsidium nach den Wahlen dem gewählten Vorstand. Dabei weigerte ihm alleine Niklas Schenker, 23-jähriger Fraktionsvorsitzender der Linken, bei Betreten des Präsidiums die Hand. Schenkers entschlossene Haltung gegen die Regeln der Höflichkeit hat uns neugierig gemacht: Was für Ideen vertritt dieser Niklas Schenker, der so zügig von Jugendparlamentarier zum Fraktionsvorsitzenden aufgestiegen ist? Wir hacken nach:

Im Jahr 2013 trat Schenker als Bassist im Punk-Band »Die Ekligen« auf. Auf seinem Instrument prangte ein Aufkleber mit der Aufschrift »Nazi-Jäger«, auf seinem Hemd das Anarchisten-Symbol. Dieses Jahr gibt er sich jedoch bieder in einem Bild mit seinen Fraktionskollegen.

In der Bezirkszeitung der Linken, der Bezirksbühne, beschwörte Schenker vor der Wahl die vermeintliche Gefahr einer aufsteigenden AfD:

Jetzt kandidiert die rechtsextreme AfD. Ich fürchte, sie wird im Bezirk über 3% kommen. Wir werden der AfD keinen Fußbreit für ihre rassistische Propaganda lassen und ihr in der BVV von Anfang an konsequent entgegentreten, Die AfD ist eine in Teilen offen faschistische Partei.

Nun ist Schenkers schnappatmig geäußerte Befürchtung eingetreten – die AfD holte 9,7% im Bezirk und damit einen Sitz mehr als Die Linke (7,9%). Dieses Ergebnis könnte etwas damit zu tun haben, dass Die Linke nicht nur der AfD, sondern auch ihren eigenen (ehemaligen) Wählern belehrend Rassismus vorwarf, als sie ihre Sorgen äußerten. Es könnte unter anderem daran liegen, dass der Rosa-Luxemburg-Stipendiat und Student der Sozialwissenschaften Schenker noch keinen nachhaltigen Anschluß an die Erwachsenenwelt gefunden hat, die ihn mehrheitlich wählt, wie er in einem Interview mit POLLI-Magazin durchscheinen lässt:

Die wenigsten Menschen können wohl heute wirklich „frei“ über ihre Beschäftigung bestimmen, das heißt, ohne dabei zwangsläufig unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten entscheiden zu müssen…

Dass die wenigsten Menschen ohne jegliche wirtschaftliche Motivation arbeiten, dürfte jemanden kaum schockieren, der seinen Lebensunterhalt außerhalb der Welt der Parteienstiftungen hat dauerhaft bestreiten müssen. Einen ähnlichen Grad an Realismus legt Schenker an den Tag, wenn es um die Wohnungspolitik geht: Seinem von eigenartiger Rechtsschreibung geprägten Kandidatenprofil können wir auch entnehmen, dass Schenker hier qualifiziert sei, weil er mal selber eine Wohnung gesucht habe, und weil sein Interesse »eh wissenschaftlicher Natur» sei (siehe »4 Semester Sozialwissenschaften«). Abschließend schreibt Schenker:

Bevor ich noch weiter schreibe und Ihnen damit die Lust nehme sich das alles durchlesen zu wollen belasse ich es dabei und freue mich auf etwaige Nachfragen.

Haben Sie Nachfragen an Niklas Schenker? Richten Sie sie an niklas@dielinke-charlottenburg-wilmersdorf.de.

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